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Haltbarkeit moderner Autos vs „alter“ Autos

Wenn es um das Thema Auto geht, so ist das die Stammtischdiskussion Nummer 1. Die einen behaupten, dass alte Autos den neuen in Sachen Haltbarkeit um Welten überlegen sind. Dem gegenüber stehen die Menschen, die behaupten, dass das Neueste immer das Haltbarste ist. Die Wahrheit liegt jedoch irgendwo dazwischen. Um in das Thema etwas Klarheit zu bringen, grenze ich mehrere alte und neue Fahrzeuge aus. Als aller erstes möchte ich in dieser Betrachtung die ersten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren (bis 1930) vollständig außer Acht lassen, da diese meiner Ansicht nach zu wenig verbreitet waren. Dem gegenüber möchte ich auch keine Elektroautos in diesen Vergleich einbauen, da selbst die ältesten Modelle der am meisten Verkauften Elektroautos noch keine 10 Jahre alt sind. Die Haltbarkeit eines Autos setzt sich aus folgenden Kriterien zusammen: Alterungsbeständigkeit, Laufleistungsbeständigkeit, Zuverlässigkeit

Wenn diese Eingrenzung stattgefunden hat, so lässt sich meiner Ansicht nach der Fahrzeugbau in drei Evolutionsstufen aufteilen:

  • Fahrzeuge ohne Elektronische Helferlein
  • Fahrzeuge mit normalen Komfortfunktionen (ab ca. 1980)
  • Fahrzeuge mit Internetanbindung (ab 2010)

Im groben sollte diese Einteilung mit der tatsächlichen Entwicklung übereinstimmen. Abweichungen zwischen den Unterschiedlichen Herstellern gibt es natürlich immer.

Als erstes schauen wir uns die erste Kategorie von Fahrzeugen an. Ohne ABS, ESP und weiteren Sicherheitsfeatures ausgestattet, können nicht einmal einfachste Elektronikprobleme auftreten. Zuverlässig waren diese Fahrzeuge jedoch auch nicht immer so, wie man denken könnte. Neben deutlich komplizierteren Einfahr-Vorgängen (meist die Ersten 1000 Kilometer) und nicht vergleichbaren Fertigungstoleranzen bei den einzelnen Bauteilen, führte wenig erprobte Technik in vielen Fällen zu Ausfällen. Da letzteres auch auf moderne Fahrzeuge zutrifft, bitte ich Oldtimerfans nicht auf meiner persönlichen Meinung herumzuhacken und diese Argumentation aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten.

Die zweite Kategorie beschäftigt sich mit Fahrzeugen, die über ein CAN-Bus System verfügen. Dieser verbindet die unterschiedlichsten Komponenten eines Fahrzeuges und deren Steuereinheiten. Somit können durch einen OBD-Stecker Diagnosedaten ausgelesen werden. Fehler werden schneller erkannt und können auch dem Fahrer in der Tachoeinheit mithilfe von kurzen Fehlertexten oder Lämpchen angezeigt werden. Viele Komponenten dieser Fahrzeuge sind beträchtlich komplizierter und teurer als ihre Vorgänger ohne Selbstdiagnosefunktion. Die Haltbarkeit der Komponenten verbesserte sich jedoch im Laufe der Zeit, gegenüber vielen Bauteilen der Vorgängergeneration.

Lichttechnik

Im Falle der Lichttechnik wurde anstatt von Halogenlampen in teuren Fahrzeugen vermehrt auf Xenon gesetzt. Die Lichtausbeute und Haltbarkeit sind deutlich besser. Da der Gesetzgeber jedoch eine automatische Höhenverstellung der Scheinwerfer vorschreibt, führte dies jedoch in einigen Scheinwerfermodellen zu Problemen. Die automatische Höhenverstellung wird benötigt, um den Gegenverkehr nicht zu blenden, wenn das Fahrzeug hinten stark Beladen wurde. Anders herum soll die automatische Höhenverstellung eine optimale Fahrbahnausleuchtung ermöglichen, ohne den Gegenverkehr zu blenden. Da Xenonbrenner sehr hell leuchten, stellen diese eine große Gefahr dar, wenn sie in den Gegenverkehr leuchten.

Leider war wie schon vorhin erwähnt bei vielen Scheinwerfern eine sehr wackelige Konstruktion im inneren des Scheinwerfers verbaut. Ein Stellmotor sollte über ein paar Zahnräder den Scheinwerfer nach Oben oder Unten fahren. Im Laufe der Zeit wird diese aus Kunststoff bestehende Mechanik sehr spröde und zerbröselt, sobald man über eine größere Unebenheit fährt. Nach unten hängende Scheinwerfer sind die Folge. Da die Betriebserlaubnis bei nicht ordnungsgemäß funktionierender Lichtanlage erlischt, muss dringend gehandelt werden.

Nun gibt es grob gesagt drei Lösungsansätze:

Die erste Möglichkeit wäre, den Scheinwerfer mithilfe einer Schraube auf eine passende Höhe zu fixieren. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der Gegenverkehr nicht geblendet werden kann. Da diese Schraube eine Veränderung in der Lichtanlage darstellt, darf diese Reparaturmethode nicht im Straßenverkehr eingesetzt werden.

Die zweite Möglichkeit wäre, die Scheinwerfer auszubauen/ ausbauen zu lassen und in eine sogenannte Scheinwerferklinik zu bringen. Flinke Geschäftsleute haben die Notsituation vieler Autobesitzer erkannt und eigene Firmen gegründet, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als hängende Scheinwerfer zu reparieren. Die Kosten betragen nur einen Bruchteil des Neupreises.

Als letztes gibt es natürlich noch den klassischen Teiletausch. Neue Scheinwerfer kosten zirka 500 bis 1000 Euro pro Seite. Sehr viel Geld für eine Fehlkonstruktion seitens der Scheinwerferhersteller. Durch etwas hochwertigere Materialien hätte man sich viel Ärger ersparen können. Wieder einmal musste die Haltbarkeit dem Kapitalismus weichen.

Nun kommen wir zur dritten Fahrzeugkategorie. Seit mehreren Jahren ist das Internetzeitalter auch in die Welt des Automobilbaus vorgestoßen. Komfortfunktionen wie die Standheizung oder –klimatisierung können durch eine Smartphone-App angesteuert werden. Die Navigationssysteme laufen über Google Maps und sind immer auf dem Neuesten Stand. Nutzungsdaten der einzelnen Fahrzeuge können aufgezeichnet werden und zur Verbesserung der Fahrzeuge automatisch an die Hersteller versendet werden. Dies klingt für die Nutzer sehr praktisch und im Grunde ist es dies auch. Da die Welt jedoch nicht nur aus Menschen besteht die Gutes im Sinn haben, muss man sich auch über die Konsequenzen solcher Technologien im Klaren sein. Durch die Internetanbindung könnten Hacker Zugriff auf das Fahrzeug erhalten, was im Falle einer elektrischen Lenkung zu einem Verlust der Kontrolle führen kann. Da die Handbremse und das Gaspedal in fast jedem besseren Fahrzeug schon elektrisch ist, wäre eine Fernsteuerung in der Tat möglich. Wie in den meisten IT-Sicherheitsthemen gibt es auch hier ein Rennen zwischen den Sicherheitslücken-Ausnutzern und denen, die sämtliche Sicherheitslücken versuchen zu schließen. Die vorhin aufgeführten Szenarien sind jedoch sehr weit her geholt.

Ein realistischer Ansatzpunkt gegen die Übertechnologisierung von Fahrzeugen gibt es, wenn man an mögliche Defekte von einzelnen Bauteilen denkt. Auch heute schon gibt es Fahrzeuge, wo ein Hobbyschrauber an seine Grenzen stößt. Meist sind es Bauteile, welche selbstdiagnosefähig sind und ohne spezielle Software nicht angelernt werden können. Da diese Software nur die Vertragswerkstätte hat, ist man von dieser abhängig. Die unfairste Art der Kundenbindung wird somit aufzubauen versucht. Auch in diesem Bereich, ist es nur eine Frage der Zeit bis sich Lösungen verbreitet haben, die eine Unabhängigkeit von Vertragshändlern möglich machen.

Viele Fehler lassen sich jedoch auch ohne Vertragswerkstätten beheben. Dazu gibt es kleine und kostengünstige Diagnosegeräte. Meist werden alle Marken unterstützt. So kann zumindest das Motorsteuergerät ausgelesen werden. Für eine Fehlerdiagnose die alle Steuergeräte einschließt, müssen andere Systeme verwendet werden. Diese beschreibe ich in einem anderen Artikel.

Hier blende ich dir ein paar praktische OBD II Diagnosegeräte ein:

Abschließende Betrachtung

Wie vielleicht aus den letzten Absätzen hervorging, waren fast alle Aufzählungen negativ behaftet und lassen aus Objektiver Sicht eine negative Einstellung zu Fahrzeuge und deren Herstellern erahnen. Teilweise kann dies stimmen, jedoch ist zu beachten, dass es leichter ist zwischen drei Unterschiedlich „schlechten“ Möglichkeiten eine Wahl zu treffen, als zwischen drei „guten“. Meiner Meinung nach ist vor allem in diesen Jahren die zweite Kategorie von Fahrzeugen sehr interessant. Sie ist ein Kompromiss aus Komfort, Reparaturfreundlichkeit, Preis und Haltbarkeit. Moderne Elektroautos können in der Lage sein, einen neuen Maßstab in Sachen Haltbarkeit zu setzen. Ob sie es tun, bleibt abzuwarten…

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